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Südostschweiz: 19.06.2015 (Südostschweiz Graubünden), Seite 3

Bergbahnen Disentis planen Investitionen von 90 Millionen

Die am Mittwoch von den Bergbahnen Disentis präsentierten Ausbaupläne für 90 Millionen Franken werden positiv aufgenommen. 
Gemeindepräsident Francestg Cajacob spricht von einem «Sechser im Lotto». Auch in Sedrun begrüsst man die Investitionsoffensive.

von Denise Alig

Vor einem prall gefüllten Saal hat die Bergbahnen Disentis AG der Bevölkerung der oberen Surselva am Mittwochabend ihre Ausbaupläne für die nächsten Jahre präsentiert. Und, die sind ambitiös: Das auf der operativen Ebene von Marcus Weber, dem Delegierten des Verwaltungsrates, angeführte Bergbahnunternehmen will auf dem Parkplatz bei der Talstation ein sechs Häuser umfassendes Resort mit bewirtschafteten Ferienwohnungen und Hotelzimmern bauen. Kostenpunkt: Rund 60 Millionen Franken. Wie Radio Rumantsch gestern weiter berichtete, soll das Skigebiet von Disentis zudem mit einer neuen 70er-Gondelbahn mit demjenigen von Sedrun verbunden werden. Die Linienführung führt von Salins über Cungeri auf den Culm da Vi, wobei man mit Kosten von 15 bis 20 Millionen rechnet. Schliesslich soll ein Teil des Skigebiets künftig künstlich beschneit werden. Im besten Fall, so rechnet Weber, sollen die Projekte innerhalb der nächsten vier Jahre realisiert werden.

«Keine Luxuslösungen angedacht»

Die drei Projekte sollen vorwiegend aus eigenen Mitteln, mit Hilfe von Investoren sowie mit Kantonsgeldern finanziert werden. Wie Weber betonte, erfolgen die geplanten Investitionen aus reiner Notwendigkeit. «Damit die Bahnen auf einer soliden Grundlage stehen können, braucht Disentis mehr Gäste.» Dabei rief er in Erinnerung, dass Disentis zu Zeiten des (2001 stillgelegten) Hotels «Acla da Fontauna» weit über 30 000 Gäste pro Winter generierte. Die Schliessung des «Acla da Fontauna» habe durch das Reka-Dorf nur teilweise kompensiert werden können, sodass Handlungsbedarf bestehe. Weber rechnet, dass allein das neue Resort mit 700 Betten jährlich 30 000 Übernachtungen einbringen wird. Er unterstrich weiter, Disentis sei eine Familiendestination und wolle das auch bleiben. «Wir streben keine Luxuslösungen an», so Weber.

Ein gewichtiges Wort mitzureden, haben bei der Realisierung die Stimmberechtigten von Disentis. Sie befinden bereits am kommenden 18. Oktober über eine entsprechende Teilrevision der Ortsplanung, wie Gemeindepräsident Francestg Cajacob auf Anfrage bestätigte. «Die Vorhaben der Bergbahnen Disentis AG sind für uns wie ein Sechser im Lotto», sagte er. Entsprechend gut seien die Pläne von der Bevölkerung aufgenommen worden. «Am Mittwochabend herrschte eine sehr gute Stimmung», so Cajacob. Es sei offenkundig gewesen, dass die Projekte der Bergbahnen Hand und Fuss hätten, seriös vorangetrieben und sicher auch realisiert würden. Die Gemeinde Disentis stehe den Bahnen in planerischen Fragen denn auch unterstützend zur Seite, sei es mit internen oder externen Planungsexperten. Ob sich Disentis auch finanziell am Projekt beteilige, wird laut Cajacob noch diskutiert. Möglich sei, dass man sich an der Beschneiungsanlage beteilige.

Freude auch in Sedrun

Freude über die ehrgeizigen Pläne der Disentiser hat man auch in Sedrun. Das ist nicht selbstverständlich, ist doch die Gemeinde Tujetsch kürzlich aus der Destination Disentis Sedrun ausgetreten. «Diese Projekte sind mit vollem Herzen und vollem Verstand zu unterstützen», sagte Beat Roeschlin, der Gemeindepräsident von Tujetsch, gestern auf Anfrage. Alles, was er am Mittwochabend gehört habe, überzeuge ihn. Auch die Idee, künftig attraktive Schlechtwetterprogramme anzubieten, begrüsst er. Wie in Disentis habe auch in Tujetsch selbstredend das Volk das letzte Wort, betonte Roeschlin. So sei 
es wahrscheinlich, dass die Tujetscher Stimmberechtigten zu gegebener Zeit über eine finanzielle Beteilung an der neuen Bahn abstimmen würden, 
zumal diese zu einem wesentlichen Teil auf Tujetscher Gebiet zu stehen komme.

«Diese Projekte
sind mit vollem Herzen und 
vollem Verstand 
zu unterstützen.»


 

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